Energiewende — Ausstieg aus der Atomenergie Chancen für den ländlichen Raum

Veröffentlicht am 20.07.2011 in Umwelt

Ludwig Wörner

Wenn wir Bürger beim Umstieg auf regenerative Energien nicht selbst
in Anlagen investieren, werden in einigen Jahren Investmentfirmen bei
uns diese Anlagen errichten. Die Investmentfirmen werden nur nach
wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Art und den Ort ihrer Anlagen
wählen. Wünsche der Bürger werden eine untergeordnete Rolle spielen.

Dies war eine Erkenntnis bei der Veranstaltung der Kreis-SPD, die Anfang
Juli in Gräfenberg stattfand.

Der energiepolitische Sprecher der SPD
Landtagsfraktion Ludwig Wörner ging in seiner Rede auf die
Potentiale der verschiedenen regenerativen Energien, die aktuellen
Förderprogramme und die Bedeutung der Kommunen beim Umstieg auf
erneuerbaren Energien ein. Nur mit einer breiten bürgerlichen Beteiligung wird der Umstieg gelingen. Es müssen von allen Seiten der Gesellschaft Zugeständnisse gemacht werden. Er fordert aber auch ein Umdenken,
der Förderregeln, so muss z.B. die Förderung der Energiepflanze Mais wegen ihrem hohen Energiewerten stark zurückgefahren werden, damit in Biomassenkraftwerken wieder vermehrt Zwischenfruchtpflanzen und Gülle zu Strom gemacht werden. Jede Gemeinde ist aufgefordert einen Plan zu erstellen, wie sie die Energie, die sie verbraucht selbst erzeugen kann und welches Einsparpotential vorhanden ist. Ein Beispiel wäre der Rückkauf der Stromnetze. Durch akribische Planungsabstimmungen in Bezug auf den Ausbau ortsnaher Energieerzeugung mit den Nachbargemeinden entstehen so stabile und effiziente Energienetze.


Dr. Thomas E. Banning, Vorstand der Naturstrom AG, zeigte in einer Präsentation wie sich das aktuelle deutsche Energienetz dezentralisieren lässt. Durch die Schaffung kleiner Strukturen mit genutzter Kraft-Wärmekopplung wird ein sehr hoher Wirkungsgrad erreicht und eine Wertschöpfung in der jeweiligen Region erzielt. Potential also auch für den ländlichen Raum.
Als Beispiel nannte Dr. Banning eine Biogasanlage im Außenbereich einer Gemeinde. Das Gas wird im Ort von kleineren Blockheizkraftwerken zu Strom umgesetzt und mit der Abwärme werden Gebäude beheizt oder gekühlt. Die Naturstrom AG will noch in diesem Jahr den Bürger durch die Gründung regionaler Energiegesellschaften wie z.B. einer Gesellschaft Fränkische Schweiz die Möglichkeit anbieten, Teilhaber von Anlagen zu werden.


Dr. Herbert Barthel Referent für Energie und Klimaschutz des Bund
Naturschutz ging in seinem Vortrag auf die in der Energiedebatte oft
geforderten Energiespeicher ein. Dabei unterschied er zwei Arten. Zum
einem müssen kurzfristige Schwankungen in Netzen ausgeglichen werden.
Diese entstehen durch dezentralen Strukturen und der Abhängigkeit
mancher erneuerbaren Energien von der Natur. So führen z.B.
vorbeiziehende Wolken bei Solarkraftwerken zu Leistungsschwankungen, die sehr schnell entstehen können. Dafür benötigt man kleinere elektrische Baugruppen.
Die zweite Speicherart betrifft das längerfristige Speichern von Energie, wenn zu viel erzeugt wird und das Abrufen, wenn die Kraftwerke
nicht genügend Energie liefern können. Dr. Barthel sieht da viele
interessante  Technologien, wie z.B. das Umwandeln von Strom in
Methangas. Diese Technologien müssen in den nächsten Jahren weiter
erforscht werden. Für Dr. Barthel ist die Zeit ausreichend, da durch den
Schrittweiten Ausbau der regenerativen Energiegewinnung diese Technik
erst in einigen Jahren zur Verfügung stehen muss. Das aktuelle Sonnenenergieangebot z.B. folgt zeitlich dem jeweils aktuellen Strombedarf, tagsüber und gerade zur Mittagsspitze erreicht die Solarenergie ihr Angebotsmaximum, sie ist somit sehr gut für Mittellastdeckung geeignet und aufgrund dessen ein wichtiger Baustein im Energiemix.

Im Anschluss der Vorträge wurde auf einem Podium zusammen mit den
Zuhören die Möglichkeiten im Landkreis Forchheim erörtert. Der
Diskussionsleiter und stellv. SPD Kreisvorsitzende Gerd Zimmer schaffte es dabei, kontroverse Diskussionen der Podiumsteilnehmer zu ermöglichen und Fragen der Zuhören einzubinden.
Beim Thema Windenergie forderte der Vertreter des Forchheimer Bauernverbandes Hans Ebenhack, das Windräder nur an Standorten errichtet werden sollen, die ein wirtschaftliches Betreiben ermöglichen. SPD-Kreisrat und 2. Bürgermeister Gräfenbergs Hans-Jürgen Nekolla war sich sicher, dass man aus dem Fehlern, die bei der Aufstellung des Windrades in Karsberg gemacht lernen kann und sieht in der Windenergie auch im Landkreis Forchheim Potential.
SPD-Kreisvorsitzender Reiner Büttner ergänzte, dass bei der aktuellen Überarbeitung des Regionalplans Oberfranken-West ein strikter Kriterienkatalog für die Definition der Vorranggebiete für Windenergieanlagen genutzt wird. So ist z.B. ein Abstand von 1000 Meter zu Wohnbauflächen festgeschrieben. Büttner warb deshalb dafür, dass nachdem die Überarbeitung des Planes im Sommer diesen Jahres abgeschlossen ist, man sich gemeindeübergreifend Gedanken macht, was im Landkreis Forchheim an Anlagen errichtet werden kann.

Neben der Energiegewinnung ging es aber auch darum, wie der Energieverbrauch verringert werden kann. Neben den Möglichkeiten für Kommunen wie z.B. das Umstellen der Straßenbeleuchtung auf Energiesparlampen gibt es nach dem Chef der SPD Energieoffensive Forchheim Gerhard Pospischil, die seit mehr als 10 Jahren Aufklärungsarbeit leistet, in jedem Privathaushalt immenses Einsparpotential.

Für die Kreis-SPD stellte am Schluss Reiner Büttner nochmals klar, dass Bürgerbeteiligung für sie ein wichtiger Schlüssel zum Gelingen der gesellschaftlichen Aufgabe Energiewende ist. Informations- und Diskussionsveranstaltung nötig sind, Vorurteile abzubauen und auf die vielen positiven Auswirkungen hinzuweisen. Er versprach, dass die SPD deshalb weiter in diesem Politikfeld stark aktiv sein wird und auch darauf achten wird, dass die Kosten der Energiewende sozial gerecht aufgeteilt werden.

 

Homepage SPD Kreisverband Forchheim

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