Ärzte und Kreis-SPD sehen Handlungsbedarf, um die ärztliche Versorgung auch in Zukunft zu gewähren

Veröffentlicht am 20.10.2010 in Gesundheit

Auf Einladung der Kreis-SPD traffen sich im Rahmen der Initiative "Mehr Miteinander" Kommunalpolitiker und Ärzte aus
dem Landkreis Forchheim bei einem runden Tisch, um über die Entwicklung der hausärztlichen Versorgung im Landkreis Forchheim zu beraten. Kreisvorsitzender Reiner Büttner stellte zu Beginn des Gesprächs die aktuelle Situation im Landkreis Forchheim vor. Laut Information des Gesundheitsamtes ist im Jahr 2010 der Versorungsstand mit 75 Hausärzten
noch immer sehr gut.

Dieses Bild wird sich aber in den nächsten Jahren ändern, denn 37% der Ärzte sind 55 Jahre und noch älter. In den nächsten 10 Jahren werden 28 Ärzte in den Ruhestand gehen und es ist unwahrscheinlich, dass alle Praxen einen Nachfolger finden werden.

Dies hat laut Dr. Klaus-Dieter Preis aus Gößweinstein unterschiedliche Gründe. Zum einen streben immer mehr Uniabsolventen die Facharztausbildung an und nicht die der Allgemeinmedizin. Zum anderen wirkt die zunehmende Bürokratie und die Abrechnungspraktiken der gesetzlichen Krankenkassen abschreckend auf junge Ärzte. Die Androhung von Regressforderungen der Kassen an die Ärzte, die in manchen Therapiebereichen über den Praxisdurchschnitt verschreiben, engen den Behandlungsspielraum stark ein. Hinzu kommt, dass es in Bayern nur einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Uni in München gibt.

Eine Arztpraxis vor Ort ist jedoch nicht nur wichtig für die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung, sondern sie ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, der Auszubildenden, Angestellten und auch ganzen Apotheken einen Broterwerb sichert. Laut Dr. Hans Joachim Mörsdorf aus Pretzfeld ist es daher wichtig, dass wir hier im Landkreis Forchheim Anreize schaffen, die jungen Ärztinnen und Ärzten überzeugen bei uns tätig zu werden. Das von ihm mit initiierte Ärztenetzwerk "Unternehmung Gesundheit Franken" (UGeF) versucht z.B. durch Angebote in der medizinischen Weiterbildung oder bei der Einführung von Qualitätsstandards behilflich zu sein.

Ein großes Potential, welches gerade noch nicht genutzt wird, liegt nach Meinung von Dr. Mörsdorf in der Anwerbung von jungen Medizinern/innen. Neben den landschaftlichen Highlights der Fränkischen Schweiz müsste die Region zusammen mit den Krankenhäusern Forchheim und Ebermannstadt allgemeinmedizinische Ausbildung aus einem Guss anbieten.
In sogenannten Rotationsstellen könnten junge Ärzte/innen sämtliche Fachabteilung im Landkreis Forchheim durchlaufen, die für die allgemeinmedizinische Ausbildung nötig sind und dabei auf eine individuelle Betreuung zählen. Dies würde diesen jungen Menschen ca. 5 Jahre Planungssicherheit geben und Zeit, die Vorzüge unseres Landkreises kennen zu lernen. Durch Zusatzleistungen, wie sie eine ähnliche Initiative im Landkreis Lichtenfels (www.weiterbildungsinitiative-lichtenfels.de) bereits bietet , wie z.B. Teilzeitstellen oder garantierter Platz in Kindergarten oder Kinderhort, werden solche Stellen gerade auch für junge Frauen sehr attraktiv. Der Anteil von Frauen im Medizinstudium wird immer höher. Die Kreisrate Rainer Herrnleben und Albert Dorn sagten zu, diesen Vorschlag in den Verwaltungsgremin der beiden Krankenhäuser im Landkreis zu diskutieren.

Sollten diese Maßnahmen aber nicht reichen, die gute ärztliche Versorgung auch in bevölkerungsschwächeren Regionen unseres Landkreises zu sichern, dann müsste nach Meinung von Reiner Büttner darüber nachgedacht werden, dass das Kreiskankenhaus in Ebermannstadt in Abstimmung mit der Ärzteschaft im Landkreis die Versorgung übernimmt und z.B. Medizinische Verorgungszentren gründet. Da alle Gesprächsteilnehmer den Austausch positiv bewerteten, wurde vereinbart, den runden Tisch in 1 oder 2 Jahre wieder zusammenkommen zu lassen und die Entwicklung erneut zu bewerten.

 

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